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Berlin: neue Hotels in Gefängnis, Post und Bank

Zwei Gefängnisse, ein Postzentrum, eine Siemens-Zentrale, ein Swissôtel: wie Berlin seine Hotels in alten Häusern unterbringt und was bis 2028 eröffnet.

Von Mathieu Gastal · · 6 Min. Lesezeit

Hotel Wilmina
Hotel Wilmina, Berlin

Von den 29 Berliner Hotels im Guide, die nicht geschlossen sind, ist ein großer Teil in Gebäuden untergekommen, die einmal etwas ganz anderes waren: ein Frauengefängnis, ein Postverteilzentrum, der Repräsentationsbau der Siemens-Gründer, die Zentrale der Dresdner Bank, eine Schule von 1909. Wer in Berlin nach neuen Adressen sucht, findet dort weniger Neubauten als Umbauten, und viele davon liegen im Westen, rund um den Kurfürstendamm.

Dazu kommt eine zweite Sorte Eröffnung, die gar keine ist: Häuser, die offen bleiben und nur die Flagge wechseln. Beides zusammen bestimmt, was in Berlin bis 2028 zu erwarten ist.

Zwei Gefängnisse, ein Hotel ist offen

Das Hotel Wilmina an der Kantstraße 79 hat 2022 eröffnet, nach rund zehn Jahren Umbau. Der Komplex diente ab 1896 als Gericht und Frauengefängnis, in der NS-Zeit saßen dort vor allem Widerstandskämpferinnen, einige warteten auf ihre Hinrichtung. Mitte der 1980er-Jahre wurde das Gefängnis geschlossen, danach lagerte das Grundbuchamt Akten in den Gebäuden. Die Architekten Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst kauften den Komplex. Mehrere Hotelketten zeigten Interesse; die beiden lehnten Konzepte mit Gruselfaktor ab und betreiben das Haus bis heute selbst.

In den früheren Zellen liegen jetzt 44 Zimmer und Suiten. Fenstergitter, viele alte Türen und das Treppengeländer blieben, im hinteren Treppenhaus steht eine Zelle im Originalzustand, mit Dokumenten dazu. Das Restaurant Lovis kocht saisonal, das Brot kommt aus der eigenen Bäckerei. Ab 140 Euro.

THE KNAST in Lichterfelde ist das zweite Beispiel und deutlich kleiner: neun Zimmer, mit Suiten bis zu 13 Betteneinheiten, in einem Frauengefängnis, das von 1897 bis in die 2000er-Jahre genutzt wurde. Gewölbte Decken und schmiedeeiserne Gitterfenster bleiben erhalten. Die Eröffnung ist mehrfach verrutscht. Zuerst hieß es Anfang 2026, im Mai sprach die Betreiberin Janine Atmadi in einem Interview nur noch von einer Öffnung „Richtung Sommer", ohne verbindliches Datum. Ein Termin ist bisher nicht bestätigt.

Post, Hotel, Hotel mit anderem Namen

Das Gebäude aus den 1930er-Jahren gegenüber dem Tempodrom war bis in die 1990er-Jahre eines der wichtigsten Postverteilzentren der Stadt. Zuletzt lief es als Crowne Plaza; Leonardo Hotels übernahm es zum 1. Januar 2025 von IHG. Am 5. September 2025 eröffnete es offiziell als The Posthouse Berlin Potsdamer Platz, mit 256 Zimmern und Suiten. Der Innenarchitekt Andreas Neudahm griff Motive der Post und Gestaltung der 1920er- und 1930er-Jahre auf. Es ist das erste deutsche Haus der Marke Leonardo Limited Edition und das siebte Leonardo-Hotel in Berlin. Ab 90 Euro.

Am Steinplatz in Charlottenburg zeigt sich die zweite Sorte Eröffnung. Das Jugendstilhaus von August Endell, 1913 gebaut, hieß bis Ende 2024 Hotel am Steinplatz. Zum 1. Januar 2025 übernahm die Frankfurter Gekko Group den Betrieb und nannte es Roomers Berlin Steinplatz; es bleibt in der Autograph Collection. 84 Zimmer und drei Suiten, neu ist vor allem die französische Brasserie, die der Koch The Duc Ngo mitentwickelt hat.

Das Scandic Charlottenburg schließlich hat am 1. August 2026 im früheren Abba Hotel in der Lietzenburger Straße eröffnet: 214 Zimmer auf sieben Etagen, vollständig renoviert, dazu eine Lounge im obersten Stock für Gäste der höheren Kategorien. An der Sauna liefen zur Eröffnung noch Arbeiten, sie sollten Ende August fertig sein. Es ist Scandics drittes Haus in Berlin.

Flaggenwechsel in Mitte, Friedrichshain und am Zoo

Auch ohne Denkmal verändert sich der Bestand. Aus dem ibis Berlin Ostbahnhof wurde am 16. September 2025 das Me and All Hotel Berlin East Side, ein Lifestyle-Haus von Hyatt mit 227 Zimmern, ab 70 Euro. Das Radisson Collection Hotel gegenüber dem Dom hat im April 2025 mit 427 Zimmern und Suiten wieder geöffnet, nachdem das Riesenaquarium AquaDom geplatzt war und das Haus zwei Jahre geschlossen blieb. Ab 120 Euro.

Im Tiergarten ersetzt das Clayton Hotel Tiergarten das bisherige Novotel im Tiergarten Tower. Nach 18 Monaten Renovierung soll es im zweiten Halbjahr 2026 mit 274 Zimmern an den Start gehen, es wäre der erste Berliner Standort der Gruppe Dalata.

Ein Neuzugang im Altbau ist The Dean Berlin, im Februar 2026 in der Uhlandstraße 49 eröffnet. Es ist das erste Haus der irischen Marke außerhalb Irlands, bisher gab es sie in Dublin, Cork und Galway. 81 Zimmer, gestaltet von Rachael Gowdridge, im Erdgeschoss ein Bäckerei-Restaurant. Ab 135 Euro.

Was noch kommt: vier Projekte in bestehenden Häusern

Bis Anfang 2027 stehen vier Projekte an, die alle auf bestehenden Gebäuden sitzen.

Das Radisson RED Berlin Potsdamer Platz zieht in den denkmalgeschützten Repräsentationsbau von Werner von Siemens und Johann Georg Halske an der Schöneberger Straße 2 bis 4. Deka Immobilien hat das Haus an die Radisson Hotel Group vermietet, 249 Zimmer und Suiten sind geplant, die historische Siemens-Halle bleibt als Eventraum. Das Datum ist Ende 2026.

Das Bristol Berlin am Kurfürstendamm wurde 1952 als Gründungshaus von Kempinski eröffnet. IHG unterzeichnete die Übernahme am 10. März 2025, als erstes deutsches Haus der neuen Luxusmarke Vignette Collection, offiziell angekündigt wurde die Neupositionierung am 3. Juli 2026. Die Eigentümerin Aroundtown modernisiert alle 303 Zimmer und Suiten, bis Ende 2026. Wann genau die Gäste unter der neuen Flagge einchecken, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor.

Im Tiergarten wechselt das Sofitel Berlin Das Stue, die frühere Königlich Dänische Botschaft, im ersten Quartal 2027 von Accors Lifestylemarke SO/ zur Marke Sofitel. Zimmer, Lobby und Beschilderung werden modernisiert, 78 Zimmer und Suiten. Ein Neubau ist nicht nötig. Das Hyatt Regency Palace Berlin gegenüber dem Zoo ist das vierte Hyatt Regency in Deutschland nach Köln, Düsseldorf und Mainz; der Franchisevertrag wurde am 12. August 2026 bekanntgegeben. 278 Zimmer und Suiten, die Fassade des früheren Hotel Palace steht unter Denkmalschutz, Neustart Anfang 2027.

Bank und Tresor: Four Seasons am Bebelplatz

Das teuerste Umbauprojekt der Stadt steht am Bebelplatz. Das Hotel de Rome, seit 2006 in der früheren Zentrale der Dresdner Bank untergebracht, wird bis Ende 2026 von Rocco Forte Hotels geführt. Dann schließt es zur Renovierung und soll Ende 2027 als Four Seasons Hotel Berlin wiedereröffnen. Die Fassade bleibt, das Pariser Büro Humbert & Poyet gestaltet rund 140 Zimmer und Suiten neu. Der frühere Banktresor im Untergeschoss soll in den Spa- und Fitnessbereich einbezogen werden. Es wäre die Rückkehr der Marke nach Deutschland nach 20 Jahren. Als General Manager ist Christian Poda ernannt, ein gebürtiger Berliner.

2028: Swissôtel und Schule

Zwei weitere Projekte haben 2028 im Visier. Am Ku'damm-Eck, Kurfürstendamm 227, hat bis 2018 ein Fünf-Sterne-Swissôtel gearbeitet, 17 Jahre lang. Dort entsteht bis zum ersten Quartal 2028 das Ruby Kurfürstendamm, das erste Berliner Haus von Ruby Hotels, mit 375 Zimmern auf den Etagen 5 bis 11 und einer Dachterrasse im zwölften Stock. Entwickelt wird es mit der Empira Group, es wäre Rubys größtes Haus in Deutschland.

Das June SIX & Stay Warschauer Platz zieht in die frühere Höhere Webeschule von Ludwig Hoffmann in Friedrichshain, gebaut 1909. Primestar, der Betreiber von June Six, plant über 350 Einheiten, Hotelzimmer und Langzeit-Suiten, dazu Restaurant, Sauna und einen Innenhof. Die genaue Aufteilung steht noch nicht fest; das Projekt ist von dem bereits offenen June Six am Savignyplatz mit 84 Zimmern unabhängig.

Was bei fast allen diesen Häusern offen bleibt, sind die Restaurants: für Four Seasons, Ruby, Bristol und Sofitel liegen weder Namen noch Küchenchefs vor. Die Gebäude sind bekannt, ihre Betreiber und Termine ebenfalls. Die Gastronomie, die über die Wirkung eines Umbaus entscheidet, wird erst später sichtbar.

Die einzige Ausnahme unter den größeren Projekten ist ein Neubau: der Estrel Tower neben dem bestehenden Estrel, 176 Meter hoch, 45 Stockwerke, 522 Zimmer, Suiten und Longstay-Apartments, Eröffnung Ende 2026.

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